Vorneweg: Ich war nicht auf dem 29C3 – das folgende basiert also auf dem, was ich währenddessen und nachher drüber gelesen hab.
Ein zentrales Thema war offenbar sexistische Diskriminierung und der Umgang damit. Die Diskussion darüber hatte mich heute zu diesem Tweet inspiriert:
Mit Diskriminierung ist es wohl so wie mit Gott: Allgegenwärtig, allmächtig und man kann nicht beweisen, dass es sie nicht gibt.
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Jorges (@jorges) January 02, 2013
Mich hat das ganze nämlich an frühere Diskussionen über Diskriminierung bei den Piraten erinnert: Es herrscht immer große Einigkeit darüber, dass Diskriminierung schlecht und zu bekämpfen sei, aber offenbar kaum darüber, was Diskriminierung ist.
Und das ist ziemlich unpraktisch. Wenn man ein Ziel erreichen will, sollte man ja zuerst definieren, woran man erkennen kann, dass man das Ziel erreicht hat. Wenn man also einen Congress ohne (oder erstmal mit weniger) Diskriminierung haben will, sollte man irgendwie definieren, wie ein Congress ohne oder mit weniger Diskriminierung aussieht.
Und das ist wohl gar nicht so einfach. Spontan könnte man sagen, es solle sich niemand belästigt fühlen. Aber wovon sich Menschen belästigt fühlen, ist offenbar verschieden:
Aufgrund von Kritik von mehreren Seiten: Die Flauschecke ist ein Rückziehort und kein Ort für Knutschperformances, danke. #29c3
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Pandapony (@Farthen) December 27, 2012Dieses Jahr bin ich erstmalig auf dem #29c3 offen belästigt worden: Habe rote Karte bekommen, weil ich Banane gegessen habe.
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Leena (@reticuleena) December 31, 2012"Ihr habt mit eurem Gift mein Geschlecht
erst zum Thema gemacht." pastebin.com/P5vfxPnq #29c3
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(@nofoo) December 29, 2012Ah ja: wenn mich das nächste Mal wer fragt ob ich mit aufs Genderpanel komme, weil ich doch Geschlechtsgenossen unterstützen könne kann ich
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Deborah (@deborianerin) December 31, 2012nicht mehr für körperliche Unversehrtheit garantieren. Eure intolerante Feministenkacke interessiert mal so einen umfallenden Furz! #29c3
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Deborah (@deborianerin) December 31, 2012
Manche finden diskriminierend, wenn Geschlecht nicht thematisiert wird; andere, wenn es thematisiert wird. Bei noch anderen kommt es aufs Wie drauf an. Wiederum andere meinen, Diskriminierung an einer Geschlechter-Asymmetrie der Besucher ablesen zu können: Wenn es wenig Frauen sind, muss es offenbar ein Problem geben. (Seltsamerweise gilt aber Alters-Asymmetrie irgendwie nicht als Problem, jedenfalls habe ich noch keine Kritik gesehen, die sich an zu wenig Besuchern im Senioren-Alter gestört hat.)
Daher halte ich es wirklich für sinnvoll, hier erstmal das Ziel zu formulieren. Gilt der Congress als diskriminierungsfrei, wenn sich niemand beschwert, belästigt worden zu sein? Wenn sich niemand beschwert – außer, es ist eine Antifeministin? Wenn er von genauso vielen Männern wie Frauen besucht wird? Wenn er von genauso vielen 20- wie 60jährigen besucht wird?
Vielleicht ergeben sich dann ja auch einander ausschließende Ziele, die man gegeneinander abwägen muss: Ein Klima, in dem möglichst ausgeschlossen ist, dass niemand durch einen Witz oder eine Bemerkung belästigt wird, ist wohl gleichzeitig auch ein Klima, in dem man sehr darauf achten muss, was man sagt. Letzteres wiederum könnten manche als störend empfinden – und sich ausgeschlossen fühlen.
Sicher ist jedenfalls: Erst mit einem formulierten Ziel kann man die richtigen Mittel finden, um es zu erreichen.
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