Vier Punkte zum Gender-Pay-Gap

Letzten Donnerstag war ja Equal Pay Day, der “internationale Aktionstag für Entgeltgleichheit zwischen Männern und Frauen”. Der Tag weist auf die Unterschied in den Einkommen zwischen den Geschlechtern (Gender Pay Gap) hin, mit dem Ziel, ihn zu bekämpfen.

Die interessantesten Artikel dazu wurden schon geschrieben, zB:

Mir sind zu dem Thema vier Dinge aufgefallen:

1. Einkommen vs. Konsum

Ein Einkommensunterschied wird als Zeichen dafür gesehen, dass es einer Person oder Gruppe materiell besser geht als einer anderen: Wenn Männer also mehr verdienen als Frauen, müsste es Männern materiell besser gehen als Frauen. Oder zumindest müssten Männer mehr Macht und Einfluss über den Konsum haben.

Seltsam ist da dann aber diese Zahl aus einem Artikel auf diestandart.at:

Berechnungen der Managementberatung The Boston Consulting Group nach sind Frauen weltweit im Schnitt für 70 Prozent aller Konsumausgaben verantwortlich. Vor allem in westlichen Wirtschaftsnationen wie Österreich, Deutschland sowie den USA geben immer mehr Frauen konsumbezogen den Ton an.

Frauen verdienen also 22% weniger, entscheiden aber 70% aller Konsumausgaben weltweit. Ist das nicht paradox? Müsste es nicht genau andersherum sein?

Zwei Dinge sieht man hier: Zum einen ist das Einkommen allein kein ausreichender Indikator für Wohlstand, es ist auch entscheidend, für wen das Einkommen ausgegeben wird, wer also konsumiert. Und Frauen konsumieren offenbar nicht nur an Männer-Einkommen mit, sondern sie bestimmen zum mehrheitlichen Anteil auch, wofür es ausgegeben wird (was wirklich bemerkenswert ist, wenn doch eigentlich das Patriarchat herrscht).

Zum anderen sieht man, dass man Frauen und Männern nicht einfach als zwei Gruppen betrachten kann wie vielleicht Deutsche und Polen. Frauen und Männer leben viel stärker zusammen und haben auch viel stärkere Bindungen zueinander als zB Deutsche und Polen. Einem durchschnittlichen Mann wird das Wohlergehen seiner Frau, Tochter, Mutter und Nichte viel wichtiger sein als das eines ihm fremden Mannes.

2. Ungleichheit ⇒ Diskriminierung?

Der englische Wikipedia-Artikel über die Lohnunterschiede in den USA hat eine interessante Grafik:

US_gender_pay_gap,_by_sex,_race-ethnicity.001

Neben den Unterschied zwischen Männern und Frauen sieht man hier auch die Unterschiede zwischen ethnischen Gruppen: Man sieht, dass Asiatisch-stämmige US-Amerikaner im Durchschnitt 10% mehr verdienen als Weiße.

Wenn nun die Lohn-Unterschiede zwischen Männern und Frauen als Indiz für Diskriminierung und damit bekämpfenswert gelten, müssten das dann auch nicht die Unterschiede zwischen Asiaten und Weißen in den USA? Könnten man angesichts dieser Grafik nicht vermuten, dass in den USA Weiße durch Asiaten diskriminiert werden? Wenn nein, warum nicht?

3. Der Osten als Vorbild?

Auch die Piratenpartei hatte eine Pressemitteilung zum Thema gebracht, interessant ist da dieser Satz:

“Der in den neuen Bundesländern erheblich geringere unbereinigte Lohnunterschied von 8% macht den Einfluss gesellschaftlicher Rahmenbedingungen deutlich.”

Im Osten gehe es den Frauen also besser dank der Rahmenbedingungen. Denn da wirken noch die Strukturen und Kultur der DDR nach: Es gibt viele Kita-Plätze und ein besseres Frauenbild in der Gesellschaft. Der Osten soll also in gewisser Hinsicht als Vorbild gelten.

Seltsam ist dann aber dieser Artikel der bpb:

“Die DDR war zeitlebens ein Auswanderungsland. Dieser Trend hat sich auch nach 1990 fortgesetzt. Vor allem gut ausgebildete junge Frauen kehren ihrer ostdeutschen Heimat vermehrt den Rücken …”

Komisch, müsste auch das nicht andersrum sein? Wenn es im Osten so frauenfreundliche Strukturen gibt und die Lohnlücke soviel kleiner ist, müssten doch die Frauen gerade da bleiben. Und es müssten doch gerade viele Frauen vom Westen in den Osten ziehen – besonders bei hochqualifizierten Berufen, wo die Lohnlücke besonders groß ist.

Warum das nicht der Fall ist und der Osten vielleicht doch nicht so attraktiv ist, zeigt dieses fiktive Beispiel:

Nehmen wir an, wir haben 2 Länder mit jeweils 2000 EUR Lebenshaltungskosten für 2 Personen A und B:

  • Im Land 1 verdienen sowohl A als auch B jeweils 1000 EUR. Beide müssen also arbeiten gehen, um ihre Lebenshaltungskosten zu decken.
  • Im Land 2 nun wird A besser bezahlt, er bekommt 1500 EUR, B aber weiterhin nur 1000 EUR. Wenn beide arbeiten gehen, haben sie zusammen 2500 EUR. Oder wenn B nur noch die Hälfte arbeitet, kommen sie trotzdem auf 2000 EUR.

In Land 1 haben wir einen Lohnunterschied von 0%, in Land 2 einen von 33%. Sollte sich nun Land 2 nun ein Beispiel an Land 1 nehmen?

Meines Erachtens ist Arbeiten in Land 2 klar attraktiver: Beide haben zusammen entweder mehr Geld in der Tasche oder mehr Freiheit, ihren Job zugunsten von mehr Freizeit einzuschränken. Und auch auf sich allein gestellt geht es keinem von beiden in Land 2 schlechter.

Fehlende Unterschiede allein sind also kein guter Maßstab für Lebensqualität. Und vermutlich auch nicht für Gerechtigkeit. Denn es ist ja durchaus gerecht, für verschiedene Arbeiten auch verschieden bezahlt zu werden. Und gerade, wenn es in einem Land sehr verschiedene Jobs gibt, zB besonders viele für Hochqualifizierte, dann werden dort auch die Lohnunterschiede höher sein. Das ist vermutlich eher im Westen als im Osten der Fall.

Und das alles schließt natürlich nicht aus, dass es im Osten zum Teil bessere Strukturen gibt, die auch im Westen umgesetzt werden sollten (zB ein gutes Angebot an Kinderbetreuung). Es ist aber eben wenig sinnvoll, aufgrund einer niedrigeren Lohnlücke im Osten anzunehmen, dort ginge es den Frauen besser.

4. Geschlecht vs. Lebensentwurf

Schließlich bestehen große Lohnunterschiede vor allem zwischen Müttern und Nicht-Müttern. Frauen ohne Kinder hingegen haben viele Karrieremöglichkeiten und einen wesentlich höheren Lohn. Offenbar ist also weniger das Geschlecht entscheidend, sondern viel mehr der eigene Lebensentwurf und die eigenen Prioritäten.

Der Gender-Pay-Gap ist also eher ein Ich-betreue-meine-Kinder-selbst-Pay-Gap.

Hier mag man einwenden, dass auch Selbstbetreuung ja ein Zeichen für ein Problem sein kann, wenn sie erzwungen ist. Und da stimme ich zu – wer es will, sollte die Möglichkeit haben, sein Kind fremdbetreuen zu lassen. Wenn das nicht geht, also Betreuungsplätze fehlen, sollte das geändert werden.

Aber ich verstehe nicht, warum mangelnde Betreuungsmöglichkeiten vor allem ein Problem für Frauen sein sollen. Sowohl Männer als auch auf Frauen stehen doch vor folgenden Optionen, wenn sie Kinder und Karriere vereinbaren wollen:

  1. Sie finden einen Betreuungsplatz für ihre Kinder,
  2. Sie finden eine Partnerin / einen Partner, der ihnen die Betreuung abnimmt.

Option 2 ist besonders leicht umsetzbar, wenn der Partner weniger verdient. Viele Männer nutzen offenbar diese Option 2, aber nicht Frauen: sie heiraten bevorzugt “nach oben”. Warum eigentlich?

Es wäre doch gerade für alle hochqualifizierten Frauen mit Karriereplänen naheliegend, schlechter verdienende Männer zu heiraten. Sie würden persönlich profitieren, weil sie eine klare Verhandlungsposition hätten bei der Frage, wer notfalls zu Hause bleibt.

Und wenn das mit der Gender-Theorie stimmt, dann hätten Frauen hier einen großen Einfluss, auch gesellschaftlich was zu ändern, nämlich die “klassischen Rollenmuster” zu durchbrechen und zeigen, dass auch Frauen die Familienernährer sein können.

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