“Differenzieren sollen mal die anderen”

Wer in sozialen Netzwerken unterwegs ist, hat letzten Montag bestimmt dieses Bild von “extra 3” gesehen. In Bezug auf die am Sonntag zuvor abgestimmte Schweizer Initiative “Gegen Masseneinwanderung” zeigt es, wie die Schweizer Fußball-Nationalmannschaft ausgesehen hätte, wenn “die Schweizer schon früher etwas gegen ‘Masseneinwanderung’ unternommen” hätten:

Mannschaftsfoto - Schweiz

Nicht mehr im Kader: Gökhan Inler (Eltern aus Türkei eingewandert), Blerim Dzemaili (geboren in Mazedonien), Tranquillo Barnetta (Eltern aus Italien eingewandert), Granit Xhaka (Eltern aus Kosovo eingewandert), Xherdan Shaqiri (geboren in Jugoslawien), Diego Benaglio (Eltern aus Italien eingewandert), Haris Seferovic (Eltern aus Bosnien eingewandert), Pajtim Kasami (geboren in Mazedonien). Quelle: extra-3

Und diese Aufzählung hat mich dann verwirrt.

  1. Das Ziel der abgestimmten Initiative war es, die Einwanderung (wieder) zu steuern und damit begrenzen zu können. Die einzigen Länder, aus denen derzeit Menschen unkontrolliert in die Schweiz einwandern können, sind Länder aus der EU und der EFTA.
    Anders gesagt: Für Leute, die aus Nicht-EU-Ländern wie der Türkei, Mazedonien, dem Kosovo, Bosnien und Mazedonien kommen, ändert sich mit der Abstimmung nichts. Für sie gilt weiterhin keine Personenfreizügigkeit, sie müssen sich andere Wege in die Schweiz suchen – wie es ja offenbar die o.g. Fußballspieler taten.
  2. Um in der Schweizer Fußballnationalmannschaft zu spielen, muss man Schweizer Staatsbürger sein, entweder durch Geburt oder durch Einbürgerung. In der Abstimmung ging es aber gar nicht um das Schweizer Bürgerrecht, sondern eben um das Aufenthaltsrecht.
  3. Das jetzt auf der Kippe stehende Personenfreizügigkeits-Abkommen gilt in der unbeschränkten Form erst seit 2007. Da haben aber alle o.g. Spieler schon längst in der Schweiz gelebt.

Der Zusammenhang zwischen der Masseneinwanderungs-Initiative und dem Fußballspieler-Foto ist also ähnlich eng wie der zwischen der Forderung nach der Pille danach und dem Foto eines abgetriebenen Fötus.

Zu Recht haben sich viele über die teilweise undifferenzierte und uninformierte Debatte bei der Pille danach geärgert. Es nervt und ist furchtbar unproduktiv, wenn jemand Fakten verdreht, unzulässig pauschalisiert, wichtige Details nicht beachtet oder bloß zu faul zum Googlen ist.

Das nervt aber bei allen Debatten.

Es gibt genügend gute Gründe für Einwanderung; seien es demographische, ökonomische oder auch moralische. Nur wenn man von anderen Differenzierung verlangt und dabei glaubwürdig bleiben will, sollte man eben auch selber differenzieren.

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