Krautreporter: Gemeinschaftlich finanziert, trotzdem nicht copyleft

Zu dieser Logik gehört es aber auch, dass die von allen bezahlten Inhalte dann auch allen zur Verfügung stehen. Das ist ein Kern der Idee des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und eine große Chance gerade im digitalen Zeitalter. ARD und ZDF müssen sich nicht dagegen wehren, wenn ihre Inhalte auf Plattformen wie YouTube weiter verbreitet werden, denn diese Inhalte sind schon bezahlt. Im Gegenteil ist es in ihrem Interesse, wenn sie so viele Menschen wie möglich erreichen.

Diese sehr sinnvollen Sätze schrieb der Medienjournalist Stefan Niggemeier Anfang 2011. Das Argument ist einfach: Eine Gemeinschaft finanziert die Herstellung von Inhalten, also soll die gesamte Gemeinschaft sie auch nutzen können.

Heute ist nun das gemeinschaftlich finanzierte Projekt Krautreporter gestartet, einer ihrer Autoren und Fürsprecher ist Stefan Niggemeier.

Mehr als 17.000 Spender habe über eine Million Euro zusammen getragen, um damit “unabhängigen Journalismus ohne Werbung” zu garantieren.

Unabhängig, denn er ist ja schon bezahlt. Die Autoren haben ihr Einkommen bereits gesichert. Sie sind somit nicht gezwungen, ihre Inhalte nutzungsrechtlich zu sichern, um sie später noch irgendwie monetarisieren zu können.

Schon in der Funding-Phase im Mai fragte ich also, ob die Inhalte unter einer Copyleft-Lizenz stehen könnten (so wie z.B. die Inhalte der Wikipedia). “Im Prinzip spricht nichts dagegen”, hieß es noch …

… aber man tat sich schon damals mit dem Gedanken schwer.

Nun hat wohl die Skepsis gesiegt. Auf meine Nachfrage heute zum #Krautstart heißt es klar:

Es sind die altbekannten Argumente gegen freie Lizenzen. Dass sie auch dann kommen, wenn die Autoren schon Ihr Einkommen gesichert haben, hätte ich eigentlich nur bei ARD-Intendanten erwartet.

Krautreporter hat damit eine Chance verspielt: Ein gemeinschaftlich finanziertes Journalismus-Projekt, das seine Inhalte freigibt, hätte ein gutes Beispiel für ARD/ZDF abgegeben und die Diskussion um die Nutzung von deren Inhalten positiv belebt.

Es ist auch schade, weil ich selbst als einer der Unterstützer das Projekt sonst für so vielversprechend halte und ihm alles Gute wünsche.

Aber vielleicht können sich ja wenigstens die einzelnen Autoren – zum Beispiel Stefan Niggemeier – noch nachträglich entschließen, ihre eigenen Inhalte freizugeben. Bezahlt wurden sie ja schon.

One thought on “Krautreporter: Gemeinschaftlich finanziert, trotzdem nicht copyleft

  1. Paul Schmidt

    Ist ja schon ein ziemliches lavieren da bei den Krautreportern. Schade. Aber guter Artikel Georg und die richtigen Fragen gestellt.

    Reply

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